Einleitung
Die Wasseraufnahme der Kunststoffe beeinflusst anwendungsbestimmende Eigenschaften mit steigendem Wassergehalt wie folgt:
- Vergrößerung der dielektrischen Verluste.
- Verringerung der Steifigkeit und Härte.
- Vergrößerung der Zähigkeit (Stoß- und Schlagzähigkeit; Reißdehnung).
- Erhöhte Maßänderung durch Quellung bzw. Austrocknung.
Die maximale Wasseraufnahme der Kunststoffe bis zur Sättigung ist sehr unterschiedlich. Für unpolare Kunststoffe (z.B. Polyolefine) ist sie oft vernachlässigbar, während für hydrophile (polare) Kunststoffe (z.B. Polyamide) die Wasseraufnahme für anwendungstechnische Belange zu berücksichtigen ist. In solchen Fällen erfolgt zum Zweck der Einbringung einer anwendungstechnisch geforderten Wasserkonzentration die Nachbehandlung durch Konditionierung der Kunststoffteile. Diffusionsvorgänge für kompakte Feststoffe verlaufen in Verhältnis zu Wärmeleitungsprozessen sehr viel langsamer.
Die Konditionierzeiten vergrößern sich außerdem überproportional (quadratisch) mit der Querschnittsdicke der Teile. Um die Nachbehandlungszeiten möglichst gering zu halten, erfolgt die Konditionierung in temperaturgeregelten Warmwasserbäder (40 °C bis 90 °C) oder in Sattdampfdruckanlagen (über 100 °C).
Die Konditioniertemperaturen sind mit der thermischen Stabilität der Kunststoffe abzustimmen. Je nach Art, Menge und Verteilung der Zusatzstoffe sowie der fertigungsbeeinflussten Stoffstrukturen (z.B. Kristallisationsgrad) können durch die kurzzeitigen Konditionierprozesse negative Einflüsse (Verfärbungen, Belag, Verzug, Rissbildung) verursacht werden. Eine Gegenmaßnahme wäre die weniger aggressive Konditionierung mit warmfeuchtem Klima in Klimaanlagen.