Die Wiederverarbeitung thermoplastischen Rücklaufmaterials (Regenerat, Regranulat, Recyclat) scheitert i.d.R. an der Unsicherheit über die Auswirkung von Recylatzusätzen auf die Qualität der Kunststofferzeugnisse unter Praxisbedingungen. Diese beruht meist weniger auf sachlich begründbaren Einwänden, als vielmehr auf Vorurteilen, die Abfallzusatz pauschal als unzulässiges Qualitätsrisiko abstempeln, sowie fehlenden Erfahrungen. 


Durch eine Kombination von Experiment und Berechnung werden die zulässigen Recyclatanteile für meßbare Qualitätskriterien von Kunststofferzeugnissen bestimmt. Dieses Konzept wurde für die wichtigsten Kunststoffe, Verfahren und Qualitätsanforderungen eingehend experimentell überprüft. 


Exemplarisch betrachtet wird der kürzeste Recyclingweg (geschlossene Stoffkreisläufe im Verarbeitungsbetrieb), der die betriebswirtschaftlich und ökologisch größten Vorteile bietet. Die hinlänglich bekannte Abhängigkeit der Teileeigenschaften von den Verarbeitungszyklen führt zur Bestimmung des Grenzrecyclatgehaltes. Ab einem bestimmten Grenzrecyclatgehalt wird der vorgegebene Eigenschaftsgrenzwert auch bei beliebig vielen Materialdurchläufen nicht mehr unter- bzw. überschritten. Diese Grenze ist identisch mit dem maximal zulässigen Rücklaufmaterialanteil. Geringere Anteile sind für den Gebrauchswert des Erzeugnisses unproblematisch. 


Wird dieser Grenzwert durch systematische Versuche bestimmt, so ist damit ein erheblicher Aufwand (Prüfungen, Messungen, Auswertungen) verbunden. Es bietet sich an, statt durch aufwendige Versuche die Eigenschaftsänderungen durch ein Rechenmodell zu prognostizieren, um auf diese Weise den Grenzrecyclatgehalt zu bestimmen. 


Für den zusetzbaren Recyclatanteil, der als werkstoffbezogener Festwert nicht existiert, wird in Firmenschriften der Rohstoffhersteller häufig der pauschale Wert von 20% genannt. Tatsächlich kann dieser Prozentsatz jedoch formteilabhängig oft erheblich überschritten werden. Bezüglich der Verarbeitungseigenschaften muß der Einfluß des Recyclats auf Einzugs- und Fließverhalten (Molekülabbau/Vernetzungsreaktionen) beachtet werden. Übliche Abweichungen bei den Verarbeitungsparametern (Zeit, Temperatur, Druck) können jedoch meist vernachlässigt werden.



Verarbeitungskreislauf für die Ermittlung zulässiger Regeneratanteile: