• Zur Verfahrenseinstufung ist nur festzustellen, dass „Spritzverfahren“ eine größere Fertigungsgenauigkeit als Pressverfahren ermöglichen.
  • Die Einstufung der Formstoffsteifigkeit und –härte ist unproblematisch, da entsprechende Daten immer verfügbar sind (Formmassehersteller, Datenbanken). Bei grenzüberschreitenden Daten liegt deren Einordnung im Ermessen des Nutzers.
  • Die Einstufung des voraussichtlichen Rechenwertes der Verarbeitungsschwindung sollte mit dem Formteilhersteller abgestimmt werden, sofern keine eigenen Erfahrungen vorliegen. Eine ausführliche Zusammenstellung von Richtwerten ist im Programm als Orientierungshilfe verfügbar.
  • Die Einschätzung der voraussichtlichen Schwindungsschwankungen ist infolge vieler Einflussfaktoren u. U. problematisch. Hier ist vom Formteilhersteller die effektivste Hilfe zu erwarten. Im Zweifelfall sollte „nur ungenau möglich“ eingegeben werden, um danach ggf. die weitere Bearbeitung durch eine genauere Toleranzreihe ins Auge zu fassen. In der ISO 20457/DIN 16742 sind für die Einstufung folgende Hilfen vorgegeben:
  1. Genau möglich: Rechenwerte der VS sind bekannt, z. B. aus Erfahrungen, systematischen Messungen, Computersimulationen. Schwindungsanisotropie ist bedeutungslos oder kann in der jeweiligen Maßrichtung hinreichend genau berücksichtigt werden. Mögliche Abweichungen vom Rechenwert betragen max. ± 10 %.
  2. Bedingt genau möglich: Rechenwerte sind in Bereichen max. bis ± 20 % bekannt.
  3. Nur ungenau möglich: Rechenwerte der VS sind nur als grobe Richtwertbereiche bekannt. Schwindungsanisotropie kann nicht oder nur ungenügend berücksichtigt werden. Praktische Erfahrungen zum Abschätzen relevanter Rechenwerte sind nicht vorhanden. Mögliche Abweichungen vom Rechenwert liegen über ± 20 %.

In Abstimmung mit den Anwendern des Rotationsformens von Thermoplasten wurde für dieses Verfahren die Toleranzgruppe TG9 normativ festgelegt.

Bei Mehrkomponententeilen muss für jedes Material die Toleranzgruppe ermittelt und als separate Allgemeintoleranz angegeben werden (z. B. harte Komponente nach TG5, weiche Komponente nach TG7). Bei materialübergreifenden Größenmaßen ist das ungenauere Material Grundlage der Toleranzfestlegung.